EU-Gewährleistungslabel 2026: Was Online-Händler jetzt wissen müssen

Seit dem 27. September 2026 ist es soweit: Wer in der EU Konsumgüter verkauft, muss das sogenannte Gewährleistungslabel verwenden. Die Regelung ist keine Ankündigung mehr, sondern geltendes Recht – und aus meiner Erfahrung wissen viele Online-Händler noch gar nicht, dass sie betroffen sind.

In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick: was das Gewährleistungslabel ist, wie es sich vom ähnlich klingenden GARAN-Label unterscheidet, wie es aussehen muss und was du jetzt konkret tun solltest.

Was ist das Gewährleistungslabel?

Das Gewährleistungslabel informiert Verbraucherinnen und Verbraucher darüber, dass sie beim Kauf eines Konsumguts einen gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung haben – unabhängig davon, ob der Verkäufer zusätzlich eine freiwillige Garantie anbietet. Das Label ist EU-weit standardisiert und in allen EU-Sprachen verfügbar.

Konkret informiert das Label darüber:

  • dass die gesetzliche Gewährleistung je nach EU-Land unterschiedlich lange gilt (EU-weit mindestens zwei Jahre)
  • wann Verbraucher ihr Gewährleistungsrecht geltend machen können
  • wie der Verkäufer dabei weiterhilft
  • was konkret zu tun ist, um eine Entschädigung zu erhalten

Über einen scannbaren QR-Code gelangen Verbraucher zu weiterführenden Informationen in ihrer eigenen Sprache.

Das Gewährleistungslabel und das GARAN-Label: der Unterschied

Hier passiert die meiste Verwirrung, deshalb einmal klar getrennt:

Das Gewährleistungslabel betrifft dich als Verkäufer immer, sobald du Konsumgüter in der EU verkaufst. Es informiert ausschließlich über den gesetzlichen Anspruch, den jeder Käufer ohnehin hat.

Das EU-GARAN-Label betrifft dich nur, wenn du als Hersteller freiwillig eine gewerbliche Haltbarkeitsgarantie anbietest, die über die gesetzliche Gewährleistung hinausgeht. Diese Garantie muss:

  • den Kunden ohne zusätzliche Kosten gewährt werden
  • für die gesamte Ware gelten
  • länger als zwei Jahre gültig sein

Erfüllt deine freiwillige Garantie diese drei Bedingungen, musst du zusätzlich zum Gewährleistungslabel auch das GARAN-Label verwenden. Beide Label verweisen aufeinander, damit Verbraucher den Unterschied zwischen gesetzlichem Anspruch und freiwilliger Zusatzgarantie verstehen.

Wie muss das Gewährleistungslabel aussehen?

Das Design ist nicht frei wählbar – die EU gibt feste Merkmale vor:

  • ein scannbarer QR-Code, der zu weiterführenden Informationen in der jeweiligen Sprache führt
  • ausgedruckt mindestens im Format DIN A4
  • im Ladengeschäft farbig oder schwarz-weiß möglich
  • online muss das Label farbig dargestellt werden

Das GARAN-Label hat zusätzlich ein festgelegtes Design mit dem Titel „GARAN“, einem Häkchensymbol, einem Kalendersymbol für die Garantiedauer und einem eigenen QR-Code. Ausgedruckt darf es nicht kleiner als 95 × 100 mm sein, online darf es in einem ausklappbaren Format angezeigt werden.

Wo musst du das Label anbringen?

Als Verkäufer musst du das Gewährleistungslabel gut sichtbar platzieren, zum Beispiel:

  • als Poster an einer gut sichtbaren Wand im Laden
  • direkt neben der Kasse
  • als allgemeinen Hinweis auf deiner Website, wenn du einen Online-Shop betreibst

Für Online-Shops heißt das in der Praxis: ein fester Platz im Footer oder auf einer eigenen Rechtsseite reicht nicht zwangsläufig aus, wenn er nicht wirklich gut auffindbar ist. Denk daran, dass Sichtbarkeit hier keine Nebensache, sondern Teil der Pflicht ist.

Was du als Online-Händler jetzt tun solltest

  1. Prüfen, ob du betroffen bist. Verkaufst du Konsumgüter an Verbraucher in der EU, bist du es – unabhängig von deiner Unternehmensgröße.
  2. Label und Leitfaden herunterladen. Die EU stellt das Gewährleistungslabel und das GARAN-Label im hochauflösenden Vektorformat in allen EU-Sprachen kostenlos zur Verfügung, zusammen mit einem Gestaltungsleitfaden.
  3. Prüfen, ob du eine gewerbliche Garantie anbietest. Falls ja: Erfüllt sie die drei GARAN-Bedingungen? Falls ja, brauchst du zusätzlich das GARAN-Label inklusive der vorgeschriebenen Pflichtangaben (Name und Anschrift des Herstellers, Vorgehen im Garantiefall, abgedeckte Waren, genaue Bedingungen).
  4. Label sichtbar einbinden. Im Shop-Footer allein reicht in der Regel nicht – das Label sollte dort auftauchen, wo Kunden es tatsächlich wahrnehmen, zum Beispiel auf der Startseite oder im Bereich rund um Versand und Rückgabe.
  5. Bei Unsicherheit rechtlich absichern. Die genauen Umsetzungsdetails und Sanktionen bei Nichtbeachtung können sich je nach EU-Land unterscheiden, da die nationale Umsetzung variiert. Im Zweifel lohnt sich ein kurzer Check mit einem Rechtsberater oder der zuständigen nationalen Verbraucherschutzbehörde.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zum Gewährleistungslabel

Ab wann gilt das Gewährleistungslabel?

Die Verwendung ist seit dem 27. September 2026 verpflichtend.

Gilt das Gewährleistungslabel nur für Online-Shops?

Nein. Es gilt für alle Verkäufer von Konsumgütern in der EU, egal ob im stationären Laden oder online.

Muss ich das GARAN-Label auch verwenden, wenn ich keine Zusatzgarantie anbiete?

Nein. Das GARAN-Label ist nur Pflicht, wenn du freiwillig eine gewerbliche Haltbarkeitsgarantie anbietest, die die drei genannten Bedingungen erfüllt.

Wo bekomme ich das offizielle Label her?

Die EU-Kommission stellt beide Label über die Plattform „Your Europe“ im Vektorformat und in allen EU-Sprachen kostenlos zum Download bereit, inklusive Gestaltungsleitfaden.

Was passiert, wenn ich das Label nicht anbringe?

Das Gewährleistungslabel ist Teil einer EU-weiten Informationspflicht. Wie die Nichtbeachtung konkret sanktioniert wird, hängt von der nationalen Umsetzung in deinem EU-Land ab. Verlass dich hier nicht auf Vermutungen, sondern informier dich bei einer verlässlichen Quelle in deinem Land.

Fazit

Das Gewährleistungslabel ist keine Kür, sondern seit dem 27. September 2026 Pflicht für praktisch jeden, der Konsumgüter in der EU verkauft. Die gute Nachricht: Die Umsetzung ist überschaubar, wenn du weißt, was zu tun ist – Label herunterladen, sichtbar platzieren, bei eigener Garantie zusätzlich das GARAN-Label prüfen. Wer es jetzt ignoriert, riskiert unnötig, später unter Zeitdruck nachbessern zu müssen.

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